Es ist 2019. Vor einem Jahr war ich noch Lehrer. Jetzt sitze ich zum ersten Mal bei update im Office und darf an den Anpassungen des junior.challenger mitarbeiten. Wir sind zu dritt im Raum, weitere Kollegen sind per Webex zugeschaltet.
Wir stehen vor dem größten Smartboard, das ich in meinem bisherigen Berufsleben gesehen habe. Ideen entstehen, werden verworfen, neu gedacht, dokumentiert. Die virtuell zugeschalteten Kollegen bringen sich ein, diskutieren, ergänzen, treiben Gedanken weiter.
Was mich an diesem Tag am meisten beeindruckt, ist nicht die Technik. Es ist die Selbstverständlichkeit dieses Termins. Und die Tatsache, dass die virtuell Teilnehmenden keine Zuschauer sind, sondern vollwertige Mitspieler. Dieser Tag hat meine Vorstellung von hybrider Zusammenarbeit nachhaltig geprägt.
Ein Jahr später wurde die Arbeitswelt, wie wir sie kannten, einmal komplett auf links gedreht. Alles musste plötzlich online funktionieren und irgendwie tat es das auch. Die eigentlichen Unterschiede wurden für mich allerdings erst nach den Lockdowns sichtbar. Denn seit etwa 2024 höre ich immer häufiger einen Satz, der mir persönlich zu kurz greift: „In Präsenz ist halt einfach besser.“
Ein Satz, der eine vielschichtige Frage erstaunlich pauschal beantwortet.
Der Hemmschuh namens „virtuelle Meeting-Kultur“
Um den Elefanten im (virtuellen) Raum klar zu benennen: Viele virtuelle Meetings – und ja, auch Trainings – sind eine Katastrophe. Da redet eine Person viel zu lang und ihr wird – logischer Weise – höchstens mit halbem Ohr zugehört, nebenbei werden Mails beantwortet, andere reagieren auf Teams-Nachrichten oder telefonieren immer wieder kurz. Es merkt ja keiner: Kamera aus, Mikro aus, nur der Fokus leider auch.
Diese Kultur nehmen Menschen mit in virtuelle Trainings. Was dann passiert, ist vorprogrammiert: Wir bieten einen interaktiven, partizipativen Trainingsraum an – und er wird nicht angenommen.
Es ist, als würde ich einen Kochkurs anbieten und die Teilnehmenden bringen eine Tüte lauwarmes Fast-Food mit. Sie sagen: „Ich koche schon mit – ich gucke halt ab und zu mal in den Topf.“ Und essen danach trotzdem wieder ihren Burger. Nicht, weil der Kochkurs schlecht ist. Sondern, weil sie nie wirklich eingestiegen sind.
Offene Kanäle, halber Fokus, null Lernverantwortung
Was wir in virtuellen Trainings häufig sehen:
• Mailprogramm offen
• Messenger offen
• Telefon griffbereit
• Kamera aus
• Immer wieder kurz „weg“, weil „jemand was braucht“
All das limitiert Konzentration, Nachvollziehbarkeit und Fokus. Und es verhindert etwas Zentrales: eigenverantwortliches Lernen. Unsere Trainings sind entlang eines klaren roten Fadens aufgebaut. Wir arbeiten an echten Praxisfällen und bereiten reale Termine vor. Wir entwickeln Argumentationslinien, Gesprächsstrukturen, Vorgehensweisen, immer gemeinsam mit den Teilnehmenden. Doch das funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, für diesen Zeitraum wirklich da zu sein.
Nicht halb. Nicht nebenbei. Sondern bewusst.
Virtuelle Trainings sind nicht schlechter. Sie sind ehrlicher.
Virtuelle Trainings verzeihen nichts. Keine schlechte Vorbereitung. Keine zu langen Vorträge. Keine passive Haltung. Keine „Ich lass mich mal berieseln“-Mentalität.
Präsenztrainings kaschieren das manchmal. Alle sitzen im selben Raum, sehen beschäftigt aus – und sind gedanklich trotzdem ganz woanders.
Virtuell fällt das schneller auf. Und genau deshalb empfinden viele es als anstrengender. Doch das darauf herunter zu brechen, dass das Format schlechter ist, empfinde ich oft schlichtweg als mehr oder weniger bewusste Schutzbehauptung. Denn die meisten wissen selbst, dass die Formate scheitern, weil die Teilnahme mehr Selbstdisziplin verlangt, mehr Offenheit, mehr Bereitschaft, sich aktiv einzubringen.
Kultur schlägt Format
Unsere Erfahrung ist eindeutig: In Unternehmen, in denen hybrides Arbeiten sinnvoll gelebt wird, funktionieren auch hybride und virtuelle Trainings hervorragend.
Dort ist klar:
• Meetings haben ein Ziel und einen klaren Rahmen
• Beteiligung ist selbstverständlich
• Fokus ist kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung
• Lernen ist keine Dienstleistung, sondern eine gemeinsame Aufgabe
In diesen Organisationen sind virtuelle Trainings kein Notbehelf. Sie sind ein gleichwertiger, oft sogar sehr effizienter Lernraum.
Wir bei der update können das. Gleichwertig. Hands-on. Praxisnah.
Die eigentliche Frage
Die eigentliche Frage lautet also nicht: „Sind virtuelle Trainings schlechter als Präsenztrainings?“
Die eigentliche Frage ist: „Welche Lern- und Meeting-Kultur leben wir eigentlich – und was erwarten wir von unseren Mitarbeitenden?“
Wer virtuelle Trainings nur konsumieren will, wird enttäuscht sein. Wer bereit ist, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen, gewinnt – nicht nur neue Methoden oder Argumente, sondern auch eine neue Perspektive auf Zusammenarbeit. Denn langfristige positive Veränderungen beginnen genau dort: Bei der Haltung, nicht beim Format.
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